Pioniere aus Tradition

Auf Tradition kann man sich ausruhen – oder auf ihr aufbauen. Auf dem Pfälzer VDP-Weingut Karl Schaefer hat man sich stets für die zweite Option entschieden.

Gegründet 1843, gehörte das Weingut Karl Schaefer 1910 zu den Gründungsbetrieben des „Verbands Deutscher Naturweinversteigerer“, dem Vorläufer des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter). Das Bad-Dürkheimer Gut war einer der ersten Pfälzer Betrieben, die ihre Weine selbst füllten und vermarkteten. In den 1970er Jahren, als deutscher Wein in erster Linie süß zu sein hatte, ging man konsequent den Weg zu trockenen Weinen; so gelang es, den Charakter der einzelnen Lagen in die Flasche zu bringen.

Nana und Job von Nell forcierten nach der Übernahme des Gutes im Jahr 2008 die biologische Bewirtschaftung der Weinberge

Das Lagenportfolio lässt  den Weinfreund ganz schnell die Ohren spitzen: Dürkheimer Spielberg, Wachenheimer Fuchsmantel und Gerümpel sind als Erste Lagen klassifiziert, Forster Pechstein, Dürkheimer Michelsberg und Ungsteiner Herrenberg und Weilberg als Große Lagen. Eine großes Kapital, aber durch die Vielfalt an Bodenformationen auch eine Herausforderung für ambitionierte Winzer. Unter der langjährigen Verantwortung von Patrick Müller (35) werden 17,5 Hektar Weinberge konsequent ökologisch bewirtschaftet, eine für Pfälzer Maßstäbe überschaubare Größe. Die selektive Lese von Hand ist ebenso selbstverständlich, wie ein schonender Umgang mit der Ernte im Keller.

Mit dem Jahrgang 2018 hat Johann Seibt die Verantwortung für den Keller übernommen. Der 34-Jährige hat nach seiner Ausbildung Erfahrungen unter anderem in Südafrika, der Schweiz und auf dem biodynamisch bewirtschafteten Weingut von Birgit Braunstein (Burgenland) gesammelt. „Wir geben im Keller die Richtung vor, lassen die Weine aber gewähren“, beschreibt Johann Seibt seine Philosophie. Alle Lagenweine werden spontan vergoren und ihnen wird die Zeit gegeben sich auf der Vollhefe zu entwickeln.

Kellermeister Johann Seibt ist seit 2018 an Bord

Die Gutsweine, der Einstieg in die Qualitätspyramide des VDP, sind klar und schlank gehalten, der Sortentyp von Riesling, Weiß- und Grauburgunder sowie Muskateller ist stets erkennbar, aber keineswegs laut und aufdringlich. Rotweine belegen eine kleine aber feine Nische.

Mit 85 Prozent der Rebfläche ist Riesling der Dominator – auch bei der Klasse. Die Ortsweine, die gehobene Kategorie, mit ihrem gelungenen Retro-Etikett („Sonnentropfen – seit 1908“) zeigen Balance und anhaltenden Geschmack. Die Premiumweine, angefangen bei den ersten Lagen, sind schlank und straff gehalten und überzeugen mit geschliffener Säure und fester Struktur. Großes Potenzial zeigen die Großen Gewächse, bei denen es dem Weingut mit achtsamer Arbeit gelungen ist, auch im Hitzejahr 2018 die Alkoholgradationen in Zaum zu halten. Diese Karl-Schaefer-Weine verbinden Eleganz, Finesse und tiefgründige Struktur zu großer Strahlkraft und haben nach weiterer Flaschenreife einen Auftritt an der festlichen Tafel verdient.

Weingut KARL SCHAEFER
Weinstraße Süd 30. 67098 Bad Dürkheim
0049-6322-2138
info@karl-schaefer.com
www.karl-schaefer.com