Riesling-Vielfalt erschmecken

Die „Lagenbox“ des eigenwilligen Nahe-Winzers Martin Tesch bietet spannende Unterhaltung und Fortbildung

Martin Tesch


Dr. Martin Tesch ist ein heller Kopf – und ein Sturschädel, wie man in Bayern sagt. Vor 23 Jahren hat der promovierte Biologe das elterliche Weingut in Langenlonsheim an der Nahe übernommen und immer wieder für Furore, bei manchen auch für Kopfschütteln gesorgt. Da ist beispielsweise der „Unplugged“, ein vom Start im Jahr 2001 weg richtig trockener Riesling aus mehreren Lagen, für den die Bezeichnung „Einstiegswein“ ein Untertreibung darstellt, und der für die traditionstreuen Kunden des Gutes mehr als ein rotes Tuch war. „Die haben einfach nichts mehr bei uns gekauft, weil sie meinten, da kommt der Junge und dreht durch“, erinnerte sich Martin Tesch. Doch nach einer Durststrecke kamen neue Kunden, der „Unplugged“ wurde hip, für einige Kult und zur Initialzündung eines Imagewandels. Der wäre aber ohne Content nichts geworden und an dem arbeitete Martin Tesch emsig, er reduzierte die Fläche, konzentrierte sich auf frische und markante Rieslinge aus den Top-Lagen in und um Langenlonsheim und arbeitete die Unterschiede an Böden und Mikroklimata immer klarer heraus.

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Tesch stellte als einer der ersten das ganze Portfolio auf Schraubverschlüsse um, nebenbei trat er noch aus dem VDP aus, dem Hochadel des deutschen Weinbaus. „Ich kam einfach mit der mehrstufigen Klassifizierung nicht zurecht erklärt er locker. Bei ihm gibt es grob gesprochen zwei Stufen: Basis- und Lagenweine, letztere entsprechen vom Mostgewicht her kapitalen Spätlese. Keine weiteren Selektionen, sehr selten mal ein Süßwein. „Die fünf Lagenweine zeigen Jahr für Jahr eine eigene Identität“, schreibt der Weinführer Gault&Millau (Ausgabe 2019) sehr zutreffend. „Krone und Löhrer Berg eher fruchtig, Königsschild etwas leiser und Karthäuser und St. Remigiusberg eher kräftig.“ Dieses Quintett wurde mit dem Jahrgang 2018 zum Sextett, neu in der Linie ist der Rothenberg, der von der Bodenformation her dem Karthäuser ähnelt und tendenziell etwas opulentere, fruchtige Weine erbringt. Als Verkaufstalent, das er zweifellos ist, bietet Martin Tesch eine ansehnliche „Lagenbox“ an, in der sechs Rieslinge, mit Lagenkarte und Beschreibung der einzelnen Weine stecken. Eine willkommende Möglichkeit, die Unterschiede der einzelnen Lagen, ihre Böden und Mikroklimata zu erschmecken – am besten in mittelgroßer Runde mit Weinfreunden.  Auf der Website des Weinguts erklärt Martin Tesch in je gut zwei Minuten langen Videos die Eigenheiten von Weine und Lagen zusätzlich.

Die Lagenbox mit dem Jahrgang 2018 ist für 79 Euro ab Gut erhältlich. Im Handel sind noch Boxen älterer Jahrgänge zu finden, was kein Schaden ist, denn die Weine Alohnen eine gewisse Reifezeit, die sechste Flasche in diesen Boxen ist ein „Unplugged“.

Weingut Tesch, Naheweinstraße 99, 55450 Langenlonsheim, Tel. 06704-93040,

www-weingut-tesch.de.