Wein ist Musik in Flaschen

Justin Leone, Ex-Sommelier des Tantris, Musiker, Dandy und so noch so manches andere mehr, hat ein Weinbuch vorgelegt. Eine ebenso überraschende wie klare Bereicherung der deutschsprachigen Weinliteratur, auch wenn man erst einmal potenzielle Missverständnisse ausräumen muss.

Eine weit über 1000 Euro teure Flasche auf dem Cover? „Bullsh…“ im Kontext mit Genuss? Das sind Fragen die sich durchaus aufdrängen. Und „Weinwissen“, braucht’s dafür noch ein Buch mehr? Geschenkt, wenn man sich in das Buch hineingearbeitet und – jetzt kommt’s – gefühlt hat. Denn um Wissen geht es bestenfalls in zweiter Linie, das Entscheidende bei Justins Erstling sind Emotionen. Und er schafft es schon beim bloßen Lesen durch plausible Assoziationen seine Emotionen nachvollziehbar zu machen und damit die des Lesers zu wecken. Sein Medium: Musik. Die hat sein Leben zunächst mehr bestimmt als der Wein.

Geboren in Kanada, aufgewachsen in Chicago, studierte er klassischen Kontrabass. Erst nach dem Studium und einer Tour mit seiner Rockband, entdeckte er seine große Liebe zum Wein. „Wein trinken ist wie Musik hören. Wenn die richtigen Saiten angeschlagen werden, werden Gefühle geweckt, kommen Ideen, fließt die Inspiration“, schreibt er. Die raue Erdigkeit von Nebbiolo führt ihn geradewegs zu Tom Waits; zu Weiß- und Grauburgunder, fallen ihm Hall & Oates ein: „Als Kind habe ich ihre Songs oft als Hintergrundmusik in einsamen Kaufhäusern dudeln hören. Aber die beiden hatten auch ihre großen Momente, so wie Pinot Gris im Elsass und in Baden großartig sein kan, während Pinot Blanc in der Pfalz und ebenfalls in Baden zu großer Form aufläuft.“ Justin arbeitet durch alle wichtigen Rebsorten, kapitelweise können Playists für Spotify mit dem Handy gescannt werden. „Pinot Noir ist die frustrierendste, leidenschaftlichste und bereicherndste Liebe deines Lebens“, ist Justin überzeugt. „Aber einfach wird es nicht. Die Traube fordert über alle Hingabe hinaus auch akademisches Wissen.“ Die Musik dazu? Queens Bohemian Rhapsody oder auch Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Kleiner geht’s leider nicht. Nicht bei Pinot Noir, der Liebe des Lebens. Und so gesehen passt auch die teure Flasche auf dem Cover wieder. Drin steckt ein Pinot Noir: Richebourg von der Domaine de la Romanée-Conti. Einer der Größten überhaupt.

Justin Leone: Just Wine – Weinwissen ohne Bullshit
ZS Verlag, 200 Seiten, 22,99 €